Übungsleiter/innen - abhängig beschäftigt oder selbstständig tätig?
Ein "echter Dauerbrenner" bleibt die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung von Übungsleiterinnen und Übungsleitern, die in Sportvereinen weniger als 15 Std./Woche tätig sind und insgesamt eine Verdienstgrenze von Euro 479.-/Monat nicht überschreiten. Der LandesSportBund Nordrhein-Westfalen gibt deshalb wertvolle Hinweise und eine Checkliste zum Thema, die über Verdienstgrenzen, Sozialversicherung, Versteuerung und gesetzliche Unfallschutzversicherung informiert.
  • Der im letzten Jahr geänderte Standpunkt der Sozialversicherungsträger eröffnet die Möglichkeit, dass Übungsleiter/innen (ÜL) in Sportvereinen im o. g. Rahmen als selbstständig Tätige eingestuft werden können, sofern die entsprechenden Kriterien für eine Selbstständigkeit (z. B: Weisungsungebundenheit, keine Eingliederung in den Betrieb, keine Zahlungen bei Urlaub oder Krankheit usw.) gegeben sind. Dann besteht für den Sportverein keine Melde- und Beitragspflicht zur Sozialversicherung. Grundsätzlich behalten sich die Sozialversicherungsträger aber das Recht auf Einzelfallprüfung vor. Das heißt: Die Frage, ob ein/e Übungsleiter/in selbstständig tätig ist oder nicht, entscheidet sich nach den jeweils konkret vorliegenden Umständen, die insgesamt gewürdigt werden.
  • Im Unterschied zum Sozialversicherungsrecht (unter 15 Std./Woche) wird im Steuerrecht angenommen, dass eine Tätigkeit von bis zu sechs Std./Woche "selbstständig" ist, sofern keine Kriterien für eine abhängige Beschäftigung vorliegen. In der Praxis dürfte dieser Unterschied kaum wirksam werden. Dennoch ist es im Zweifel ratsam, sich eine Anrufungsauskunft beim Finanzamt zur Statusfeststellung einzuholen, wenn ein Sportverein mit Übungsleiterinnen und Übungsleitern zusammenarbeitet, die mehr als sechs Std./Woche tätig sind. Dann kann der Sportverein im Fall der Fälle später nicht mehr für in der Vergangenheit nicht abgeführte Lohnsteuer haftbar gemacht werden.
Verdienstgrenzen? selbstständig oder abhängig? Sozialversicherung? Steuern? Unfallversicherung?
nebenberuflich im Rahmen des ÜL-Freibetrages von Euro 1.848/Jahr (früher: DM 3.600.-) ohne Bedeutung versicherungsfrei steuerfrei gesetzlich in der VBG versichert
Verdienst bis zu Euro 325/Monat (früher: DM 630.-) und weniger als 15 Std./Woche tätig abhängig beschäftigt Melde- und Beitragspflicht für den Verein Besteuerung durch den Verein (per Lohnsteuerkarte oder pauschaliert oder per Vorlage einer Freistellungsbescheinigung) gesetzlich in der VBG versichert
Verdienst bis zu Euro 325/Monat und weniger als 15 Std./Woche tätig selbstständig tätig keine Beitrags- und Meldepflicht für den Verein; keine Rentenversicherungspflicht für den ÜL Besteuerung durch den ÜL nicht gesetzlich in der VBG versichert; ÜL müsste sich ggf. freiwillig selbst versichern
Verdienst bis zu Euro 325/Monat und weniger als 15 Std./Woche tätig plus Aufstockung durch den ÜL-Freibetrag von Euro 154/Monat, sodass insgesamt Euro 479.- (früher: DM 930.-) verdient werden< /b> abhängig beschäftigt Melde- und Beitragspflicht für den Verein nur für den Anteil von Euro 325.- Besteuerung durch den Verein für den Anteil von Euro 325.- (per Lohnsteuerkarte oder pauschaliert oder per Vorlage einer Freistellungsbe- scheinigung) gesetzlich in der VBG versichert
Verdienst bis zu Euro 325/Monat und weniger als 15 Std./Woche tätig plus Aufstockung durch den ÜL-Freibetrag von Euro 154/Monat, so dass insgesamt Euro 479.- verdient werden selbstständig tätig keine Beitrags- und Meldepflicht für den Verein; keine Rentenversicherungspflicht für den ÜL Besteuerung des Anteils von Euro 325.- durch den ÜL nicht gesetzlich in der VBG versichert; ÜL müsste sich ggf. freiwillig selbst versichern
Verdienst über Euro 479.- abhängig beschäftigt ("normales" Arbeitsverhältnis) Beitrags- und Meldepflicht für den Verein Besteuerung durch den Verein gesetzlich in der VBG versichert
Verdienst über Euro 479.- selbstständig tätig keine Beitrags- und Meldepflicht für den Verein Rentenversicherungspflicht für den ÜL Besteuerung durch den Übungsleiter nicht gesetzlich in der VBG versichert; ÜL müsste sich ggf. freiwillig selbst versichern

Quelle: aragvid lsb-nrw 04/02

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